Noch ein NDR - Bericht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umweltschützern schon lange ein Dorn im Auge: Kreuzfahrtschiffe, die sich wie 2015 die "Norwegian Escape" durch die Ems quetschen.

 

 

 

Seit Langem schon warnen lokale und überregionale Umweltschützer vor dem Kollaps der Ems. Seit drei Jahren arbeitet mittlerweile der "Masterplan Ems 2050" an Rettungsmaßnahmen für den Lebensraum am und im Fluss. Großen Anteil an der Misere haben laut Umweltschützern die Kreuzfahrtschiffe, die die Meyer Werft jedes Jahr auf der Ems Richtung Nordsee überführt. Das dafür notwendige Ausbaggern und Aufstauen schade dem Fluss immer wieder. Ein Blick auf die kommenden Überführungen zeigt nun, dass die Werft für 2019 gleich drei Schiffe über die Ems bringen will. Zuletzt waren zwei Überführungen im Jahr üblich. Schadet das dem Fluss nicht noch mehr, bevor die ersten Hilfen aus dem "Masterplan" überhaupt greifen können?

 

Was ist das Problem?

 

Die Ems hat durch Begradigungen und Vertiefungen in der Vergangenheit ein großes Schlick-Problem. Der Schlick muss regelmäßig für die Schifffahrt weggebaggert werden. Für die riesigen Kreuzfahrtschiffe mit einem Tiefgang von bis zu 8,50 Metern muss noch tiefer gebaggert und die Ems zusätzlich aufgestaut werden. Umweltschützer sehen da mehrere Probleme: Durch das Ausbaggern nehme der Sauerstoffgehalt teilweise erheblich ab, was die Fischarten bedroht. Das Aufstauen wiederum spüle sehr salziges Wasser der Nordsee in den Fluss. Vor allem in den Süßwasserzonen richte das großen Schaden an der Pflanzenwelt an. Außerdem grabe das aufgestaute Wasser durch Überflutung der Uferflächen den Lebensraum von Kleintieren und Vögeln langsam, aber stetig ab. "Jede Überführung eines Meyer-Kreuzfahrtschiffes verschlechtert den Zustand der Ems", sagt Hajo Rutenberg von der Bürgerinitiative "Rettet die Ems". "Ein drittes Schiff pro Jahr macht es noch schlimmer - das verstößt gegen das gesetzlich festgehaltene Verschlechterungsverbot für Naturschutzgebiete." Die Genehmigungsbehörde für die Überführungen, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), sieht durch die Meyer-Werft-Schiffe dagegen keine Verschlechterung für die Wassergüte der Ems - wenn überhaupt sei sie geringfügig und nur vorübergehend.

 

Meyer Werft: Das dritte Schiff ist wesentlich kleiner

 

Auf Nachfrage bei der Meyer Werft sagt auch Sprecher Peter Hackmann: "Es gibt überhaupt keine zusätzlichen Probleme bei einer dritten Überführung." Er weist daraufhin, dass es schon 2010 und 2012 drei Schiffe gegeben habe. "Das dritte Schiff war zudem damals - so wie es auch 2019 sein wird - erheblich kleiner", so Hackmann. Mit einem niedrigeren Tiefgang würden diese kleineren Schiffe damit auch eine nicht so große Vertiefung sowie hohes Aufstauen erfordern.

 

Werden Umweltauflagen wieder ausgesetzt?

 

Die Auftragsbücher der Meyer Werft für den Standort Papenburg sind gut gefüllt: Bis Ende 2023 sollen 14 Kreuzfahrtschiffe abgeliefert werden. Die Planfeststellungsverfahren zur Genehmigung der Überführungen laufen gerade beim NLWKN. Hajo Rutenberg rechnet damit, dass es bis 2023 noch öfter drei Überführungen im Jahr geben wird. Und er befürchtet, dass die Umweltauflagen dafür ausgesetzt werden. Schon jetzt sind diese Auflagen noch bis 2019 für Überführungen im September ausgesetzt. Der sogenannte Sperrwerksbeschluss zum Bau des Emssperrwerks von 1998 sieht eigentlich vor, dass die Ems für Überführungen nur gestaut werden darf, wenn einerseits ein bestimmter Sauerstoffgehalt garantiert ist und andererseits ein Salzgehalt nicht überschritten wird. 2015 setzte die Meyer Werft mit dem Landkreis Emsland durch, dass diese sogenannten Nebenbedingungen in den kommenden Jahren für fünf Überführungen jeweils im September nicht beachtet werden müssen.

 

WWF: Werft will sich an Salz-Grenzwerte halten

 

Für den WWF (World Wildlife Fund) erschwert jede Überführung eines Kreuzfahrtschiffes die Verbesserung der Wasserqualtiät in der Ems. Der WWF arbeitet seit drei Jahren im "Masterplan Ems 2050" an Hilfsmaßnahmen mit. "Aber es ist nicht die Frage, ob zwei- oder dreimal im Jahr überführt wird", sagt Beatrice Claus, WWF-Referentin für Flusspolitik. Vielmehr gehe es nun darum, dass die "Masterplan"-Hilfen erfolgreich sind. Allen voran die flexible Tidesteuerung am Emssperrwerk, die den Schlick-Einfluss vermindern soll. Mit Blick auf die Umweltauflagen betont Claus, dass die Meyer Werft nach zähem Ringen nun immerhin dazu bereit sei, über 2019 hinaus keine Ausnahme für die Salz-Grenzwerte zu beantragen - bis 2022, wenn die flexible Tidesteuerung starten soll. Die Grenzwerte sind laut NLWKN allerdings bislang auch stets eingehalten worden. Für die Sauerstoffwerte wird die Werft nach Einschätzung von Claus aber voraussichtlich wieder ein Aussetzen beantragen.

 

Rutenberg: Sauerstoff-Mangel wird verschärft

 

Der niedrige Sauerstoffgehalt ist laut dem lokalen Umweltschützer Rutenberg aber ein Riesen-Problem, das die Kreuzfahrtschiffe noch größer machen. Zusammen mit dem WWF hatte Rutenbergs BI bei einer Probestauung 2008 gemessen und bereits damals extrem niedrige Sauerstoffwerte ermittelt. Am Gewässerboden waren es Werte von weniger als einem Milligramm pro Liter und an der Gewässeroberfläche lagen die Werte unter dem für das Leben im Fluss kritischen Wert von vier Milligramm. Laut WWF enthält ein gesunder Fluss acht Milligramm Sauerstoff pro Liter. Der WWF spricht seitdem von "sauerstofffreien Todeszonen" in der Ems. Rutenberg befürchtet, dass bei drei Überführungen auch mindestens eine an einem heißen Tag stattfinden wird, wenn der Sauerstoff im Fluss von sich aus schon knapp ist.

 

Sauerstoffgehalt schon zu niedrig, um ihn zu verschlechtern

Anders als Umweltschützer hat die Genehmigungsbehörde für die Schiffsüberführungen, das NLWKN, bislang nie eine Belastung und damit Verschlechterung für den Fluss gesehen - und die gewünschten Überführungen genehmigt. "Das Monitoring anlässlich von mehr als 30 Staufällen für Schiffsüberführungen hat ergeben, dass diese keine Belastung für den Sauerstoffhaushalt der Ems darstellen", heißt es schriftlich auf Nachfrage beim NLWKN. Für Rutenberg, aber auch für Beatrice Claus vom WWF, hat die Erklärung dahinter einen mehr als bitteren Beigeschmack: Die Sauerstoffwerte seien schon so gering, dass ein Schiff mehr oder weniger keinen Unterschied mehr mache.