Ems-Problem mit Tidepolder

 

Der im "Masterplan Ems 2050" vorgesehen Tidepolder bei Coldemüntje in der Gemeinde Westoverledingen macht bei der Bauplanung unerwartet Probleme. Eigentlich sollte ein großer Teil des beim Bau anfallenden Baggerguts - 120.000 Kubikmeter - gleich an Ort und Stelle auf den landwirtschaftlichen Flächen abgelagert werden - um die Bodenqualität zu verbessern. Doch mit einer Verbesserung wird es nichts. Im Gegenteil. Laut einem Gutachten ist das Baggergut zu belastet, um eine Qualitätssteigerung zu erzielen, die vorgeschriebenen Grenzwerte für den Boden an der Ems könnten sogar überschritten werden. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat eine Ablagerung deshalb abgelehnt, wie die Geschäftsstelle des "Masterplan 2050" am Mittwoch mitgeteilt hat.

 

 

 

Was passiert jetzt mit dem Baggergut?

 

 

 

Der Aushub besteht aus Sand und Klei und ist laut dem Gutachten unter anderem mit viel Stickstoff belastet. Der Landkreis Leer hat allerdings teilweise Zweifel an dem Gutachten und den Folgen. Es soll daher noch Gespräche mit den Gutachtern geben. Bis auf Weiteres plant der "Masterplan" nun, den Aushub während des Polder-Baus erst mal an der Baustelle zwischenzulagern. Wenn das Material abgetrocknet ist, wird es wahrscheinlich für den Deich- oder Straßenbau verwendet. Das sei unbedenklich. Aber das bedeutet, dass es nun doch entgegen ursprünglicher Ankündigungen zu Lkw-Fahrten durch die Deichdörfer kommen wird, wenn der Aushub zu den Deichstellen oder Straßenbaustellen gebracht werden muss. Die Lkw-Fahrten sollen in etwa zwei Jahren beginnen, nach dem Baustart des Tidepolders. Mit der Gemeinde und dem Landkreis Leer soll laut "Masterplan"-Geschäftsstelle noch erörtert werden, wie die Belastungen für die Anwohner gering gehalten werden können.

 

 

 

Bürgerinitiative: Rückschlag für "Masterplan"

 

 

 

Gegenüber NDR 1 Niedersachsen sagte Hajo Rutenberg von der Bürgerinitiative "Rettet die Ems", dass die Probleme um Coldemüntje einen weiteren Rückschlag für den "Masterplan" bedeuten, der seiner Meinung nach viel Geld verschlingt, aber nicht realisierbar ist.

 

 

 

Mehr Naturerleben für die Menschen?

 

 

 

Beim "Masterplan" sieht man dagegen sogar noch einen kleinen Vorteil. Da nun mehr vom Aushub am Polder bleibt, könne der für die Gestaltung des Geländes genutzt werden. "Der erste Naturschutzpolder des 'Masterplans Ems' wird so für Menschen viel besser erlebbar als noch in den ersten Planungen", heißt es in einer Presseerklärung.

 

 

 

Tidepolder soll Biotop werden

 

 

 

Der Tidepolder Coldemüntje ist eine der ersten beschlossenen Maßnahmen des "Masterplans Ems 2050" - eines Zusammenschlusses von Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Umweltverbänden, um den Lebensraum in und an der Ems zu verbessern. Im Jahr 2020 soll der Polder fertig werden und dann ein Biotop für wandernde Fische der Ems, Kleintiere und Vögel werden. Es handelt sich um ein eingedeichtes Gewässergebiet neben der Ems mit Prielstrukturen und Süßwasserteich. Durch eine bauliche Verbindung am Deich wird das Areal von der Tide des Flusses - also Ebbe und Flut - beeinflusst.