Probestau – der „Trick“ des NLWKN

so werden Messungen passend gemacht - September 2008

Am 16./17. August 2008 wurde die Ems 37 Stunden lang aufgestaut, zwar nur 1,45m statt geplanter 1,75m, doch das Gewässer stand still und bewegte sich kein Stück mehr. Dieser Stau soll dazu dienen zu beweisen, dass ein Sommerstau keine weiteren Absinkungen des Sauerstoffgehaltes hat – schließlich will Meyer jetzt auch im Sommer Schiffe überführen Dieses war bislang strikt verboten, weil der Sauerstoffgehalt der Ems schon bei „normalen“ Umständen sehr schlecht ist. Es gibt einen Grenzwert von 4mg pro Liter, den man den Fischen und Kleinstlebewesen zugesteht, um atmen zu können. Die Ems hat jetzt schon nicht viel mehr zu bieten, bei Gandersum ist der Sauerstoffgehalt zwar noch über diesem Wert, allerdings sieht das bei Kirchborgum schon ganz anders aus.

Wie misst man den Sauerstoffwert? Natürlich ist es nicht damit getan, einen Stab oder so was in der Art ins Wasser zu halten und den Sauerstoffgehalt abzulesen – nein, solche Messungen sind ziemlich kompliziert und müssen im Oberwasser und dann nach unten in allen Schichten gemessen werden, denn schließlich sind die unteren Schichten die wichtigsten für die kleinen Fische, wie z.B. den Flundern und Grundeln. Die sohlnahe Schicht, also der Gewässerboden, ist der nährstoffreichste Bereich – sozusagen die Nahrungskette und für alle Lebewesen im Fluss äußerst wichtig.

Durch absterbende Organismen und Kleinstlebewesen entsteht Schlick – Schlick ist Schlamm mit hohem Anteil an organischem Material. Diese Schlamm-Masse legt sich bei einem Stau auf den Grund und bildet die so genannte Fluid-Mud-Schicht. In dieser Schicht gibt es kaum noch Sauerstoff und überdeckt den Flussgrund wie ein Mantel, unter dem alles abstirbt.

Das NLWKN hat in Tiefen gemessen, die über der Fluid-Mud-Zone lagen und ihre Messdaten bereitwillig der Presse und den Politikern präsentiert. Hier waren sogar erhöhte Sauerstoffwerte zu verzeichnen – kein Wunder, denn das Salzwasser hat höhere Sauerstoffwerte als Süßwasser und das Salzwasser sinkt bei einem Stau ab. Wenn das NLWKN gemerkt hat, dass kein Sauerstoff mehr zu messen war, weil sie in die Fluid-Mud-Schichten vorgedrungen waren, haben sie diese Schicht als Sohle bezeichnet, was natürlich falsch ist, denn gerade auf diese Bereiche kommt es an – dort fand das große Sterben statt. Im Bericht des NLWKN, der übrigens im Internet unter www.nlwkn.de nachzulesen ist, steht auf Seite 6 der angewandte Trick. Dort heißt es: „…da diese nach Staubeginn zunächst im fluid mud lagen (durch Sedimentation der Schwebstoffe kurzzeitige „Anhebung der Sohle“) und durch die einsetzende Konsolidierung später oberhalb dieser Schicht maßen….“

Bei Terborg haben wir in 7m Tiefe einen Sauerstoffwert von 5,3mg/l gemessen (also einen erhöhten Wert), jedoch bei 8,5m nur noch 0,6mg/l. Für uns ist klar: die Messungen des NLWKN reichen nicht aus solange sie die wichtigsten Räume gar nicht bemessen. Aus unserer Sicht, darf es eine Aufstauung der Ems im Sommer keinesfalls geben.

Also nochmals zum Verständnis: bei einem Stau, einem Stillstehen des Flusses passiert folgendes:


Salzwasser ist schwerer und sauerstoffreicher als Süßwasser. Es senkt sich nach unten ab und sorgt in diesen Schichten für bessere Sauerstoffverhältnisse. Die Sedimente sinken jedoch auch ab und bilden am Flussboden Schichten von bis zu mehr als 1m – in dieser Fluid-Mud-Schicht gibt es keinen Sauerstoff mehr – die Werte liegen unter 1mg/l.

Außerdem „kriecht“ das Salzwasser in den unteren Schichten unaufhaltsam weiter den Fluss hoch. Wir haben festgestellt, dass in 10 Stunden, die Salzfront 8km vorangeschritten ist – also bis weit in die Süßwasserbereiche der Ems. Wenn Salz- und Süßwasser sich treffen kommt es immer zu einer natürlichen Todeszone, denn Organismen sterben ab, die das Salz nicht vertragen.
Der jetzt begonnene Stau (am 27.09.2008) sollte 52 Stunden dauern, sie haben ihn aber auf 37 verkürzt – trotzdem eine Katastrophe für die Ems. Der Sommerstau als solches müsste nach wie vor verboten bleiben.

Aber wie schon so oft, macht man den Weg frei für Meyer, der die Ems nur als Bundeswasserstraße sieht, aus der er am liebsten eine Bundeswasser-Autobahn machen würde – für ihn ist die Ems schon lange kein Fluss mehr. Und die Politiker machen ihm den Weg frei, denn 2500 Arbeitsplätze scheinen Argument genug zu sein, um Natur zu zerstören, Schutzgebiet schutzlos zu machen, Gesetze und Regelungen auszuhebeln und Millionen von Steuergeldern zu versenken. Wenn die Werft für all die Schäden, die Sie anrichtet zahlen müsste – wie ein Normalbürger auch – dann würde es die Werft nicht mehr geben – jedenfalls nicht an einem so schlecht gewählten Standort wie Papenburg.

Wir sind der Meinung, dass das subventionierte Druckmittel der Meyer-Werft in keinem Verhältnis zu dem Schaden steht, den die Werft anrichtet. Wenn man über Kompromisse spricht, sollte man auch Kompromisse machen und nicht nur fordern, drängen und drohen.

Wir wollen keinen einzigen Arbeitsplatz gefährden und mit einer Teilverlagerung an die Küste würde kein einziger Arbeitsplatz in Gefahr geraten – aus unserer Sicht ist einzig und allein der Standort Papenburg eine Gefahr – für uns alle.